Nachdem ich mich durch den kaum noch überschaubaren Neuheitendschungel gekämpft, mir darüber klar geworden bin, warum ich, abgesehen von meinem Spieltrieb, schon wieder eine neue Kamera will und eben grade diese, halte ich nun die Sony HX5V in den Händen. Hm…….

Sony DSC HX5V

Sie hat alles, um einen zu blenden. Wahrhaftig, die Features sind bei der Kompaktheit beeindruckend! Schon die Daten machten klar, daß es sich um eine schnuckelige Allroundkamera handeln würde, für den der technikaffine Mann seine Frau wie angefixt eine ganze Weile im Abseits stehen läßt. Fraglich war mir aber gleich, ob die Faszination und das Vertrauen die erste Zeit, in der ich meine Frau für Testschnappschüsse und Videos mißbrauchte, lange überdauern würde. In den ersten 5 Sekunden weiß man, ob die Haptik stimmt. Mir ist das Anfaßgefühl zwiespältig.

Sony HX5V Griff und Video-Auslöser

Der Daumen findet hinten zwar seinen sicheren Halt und hat mit der feinen Kerb-Wulst-Kombination vorne rechts seinen stabilisierenden Widerpart. Bei allem optisch-elektronischen Verwackelungsschutz ist die Kamerahandhaltung  immer noch das wichtigste Merkmal für das Gelingen eines scharfen Bildes.  Man deckt mit den vorderen Fingern kein Micro ab und das Blitzfenster ist auch vor Abdeckung weitgehend sicher. Aber im Film-Modus muß man schon aufpassen, daß die linken Finger keine Tonstörungen hervorrufen. Also einhändig für’s Foto gut zu halten, für den Film beidhändig mittelprächtig.

Ich bin ein entschiedener Gegner dieser ewig weitergehenden Miniaturisierung. Wenn ich mir schon die Mühe mache, Bilder zu schießen, zu bearbeiten und schließlich zu verwalten, dann möchte ich nicht nur verläßliche Resultate, sondern auch eine durchdachte Ergonomie und Durabilität vorfinden. Mit beidem gibt es bei der Sony HX5V Probleme.

Wie viele Automaten -  die Sony HX5V kann kaum manuell gesteuert werden – tendiert die Kamera zur Überbelichtung und entsprechendem Ausfressen der Lichter.  Man wird also die Belichtungskorrektur  eigentlich immer auf mindestens -0,7 EV einstellen wollen. Im Fotomodus sowieso weniger problematisch, da die korrekte Belichtung schnell über die Fixierung eines helleren Bildauschnitts mit halb durchgedrückten Auslöser hingetrickst werden kann. Dann den Ausschnitt zu verändern, geht allemal schneller, als ins Menu zu tauchen. Für schnellste Schnappschüsse funktioniert das natürlich ebensowenig wie für Videos.  Da ist es sehr ärgerlich und absolut unverständlich, warum die EV-Einstellung nur im Foto-, aber nicht im Film-Modus beim Ausschalten erhalten bleibt. Ebenso muß der Weißabgleich im Filmmodus ständig neu eingestellt werden.

Korsgade  CC  extracor_2000

Sicherlich kann man keine Bedienerfreundlichkeit wie bei der Canon G10 oder G11 erwarten, aber das Abtauchen in Untermenus für regelmäßig gewünschte Einstellungen nervt schon gewaltig. “Was gibt’s denn da ewig einzustellen, nimm die Automatik und fertig!” Tja, viel anderes bleibt einem auch nicht übrig, da manuell kaum was geht. Kann ich mit leben,  daß aber EV-Wert und Weißabgleich sich nach jedem Ausstellen wieder zurücksetzen, ist, wo es offensichtlich um ein Softwareproblem geht, nicht akzeptabel.

Die Fotoqualität:

Ich will nicht wiederholen, was an anderer Stelle – zB sehr ausführlich und wohlbegründet bei Cameralabs – geschrieben wurde. Die Sony Cyber-Shot DSC-HX5 ist eine feine Kamera. Aber sie ist mit ihrer Fotoqualität auch nur grade eben noch akzeptabel.  Einem versierten Fotografen werden die Bilder einfach zu sehr vergewaltigt, die Bilder werden auf Teufel komm ‘raus entrauscht. Sprich: es fehlt den Fotos die gewünschte Schärfe.

25mm wide with night shot mode CC von Kazuya  Minami

Der HDR-Modus ist besonders bei Motiven, die stillhalten, sehr brauchbar. Der HDR-Modus scheint problemlos 11 Blendenstufen Lichtdynamik verkraften zu können. Das ist schon toll.  HDR-Bilder sind aber auch etwas soft. Und ebenso wie im effektiven Modus “Handgehalten bei Dämmerung” sollten diese Bilder kurz in Photoshop mit Gradationskurve und Kontrast und abschließend im Lab-Farbmodus nachgeschärft werden. Für großformatige Webbilder sowieso, aber auch für ein brillantes, selbstgestaltetes Fotobuch im DIN A4 Format reicht es dann allemal. Allzustark beschnitten dürfen die Bilder dann jedoch nicht sein.

Tokyo International Forum - Masahide Asamesi

Erfreulich gut kommen die Aufnahmen bei wenig Licht heraus, sogar bis ISO 3200 sind sie brauchbar. Man wundert sich manchmal über die bei allen Empfindlichkeitsstufen schwankende Bildqualität bei gleichbleibendem Motiv und Licht.  Wichtig ist, daß die Farben und  – auch bei Blitzaufnahmen – die Hauttöne  von der Sony HX5V gut getroffen werden.

Ein ganz besonders gelungenen Bericht zur Alltagstauglichkeit der Sony HX5V schreibt Markus Staudt in seinem “Nicht Review von einem Nicht Hobby Fotografen”. Es gelingt ihm, die Tauglichkeit mit Blick auf das Wesentliche für den “Nichtschrauber” in vergnüglichem Ton und sehr fundiert zu schildern.

Mindestens ebenso interessant ist sein Reisebericht aus Fuerte mit seinen Videoerfahrungen und -beispielen, die auf einem Spot die Stärken der Sony HX5V im Film-Modus aufzeigen.

Aber zum Video-Modus komme ich gleich.

Das Highlight der flotten Sweep-Panorama Aufnahmen.

Ich gestehe es, dieses Feature gefällt mir ganz besonders gut. Je öfter man header-Bilder in Webseiten einbaut, desto mehr weiß man diese pfiffige Technik zu schätzen. Sie fordert die Experimentiertfreude geradezu heraus, und es ist absehbar, daß uns in diesem Bereich noch viele ungewöhnliche Perspektiven erwarten. Das neue Spielfeld schlechthin! Und bei weitem noch nicht ausgereizt in Innenräumen, bei Gruppenaufnahmen oder aus ungewöhnlicher Perspektive.  Mit diesem simpel zu bedienenden Modus kann weit mehr als die übliche Landschaftsaufnahme gezaubert werden. Die Kombination mit Actionszenen war nicht von ungefähr im Sonyspot gewählt worden. Mit dieser Technik kann wirklich Neuland betreten werden.

Mit meinen eigenen Ergebnissen bin ich noch nicht ganz zufrieden und habe versucht unter der CC-License veröffentlichte Sweep-Panos zu finden, die ein büschen was hermachen, die Besseren sind leider geschützt.

Für mich ist diese Funktion der Kamera durchaus kaufentscheidend.

Das Beste zum Schluß: Der Video-Modus

In die engere Wahl kam die Kamera sowieso nur, weil mich die 25mm Weitwinkel für Video gereizt haben. Dann hab ich mir X Videos von X Kompakten mit 24/25er Brennweite angeschaut und die Sony HX5V ist übrig geblieben. Und dabei sind es im Video-Modus noch nicht mal 25 mm! Ist aber fast egal, denn im 16:9 Format kommen die tatsächlichen 28mm breiter rüber als die 25 mm im Foto-Modus. Bei Video wird anscheinend ein größerer Teil des Sensors genutzt, der Videoframe ist in Diagonale und Bildhöhe kleiner als beim Foto. Ich bekomme also, was ich will. Und finde die Verzeichnung durchaus akzeptabel. Ist schließlich auch eine Frage der Ausrichtung im Verhältnis zur Horizontalen - siehe oberes Bild.

Der Videoqualitätsvergleich geht für mich voll an die Sony HX5V. Was die kleine Knipse leistet, ist wirklich enorm, einen “normalen” automatischen Camcorder benötigt man eigentlich nicht mehr. Die Videofarben sind gut – lediglich die Rot-Farbauflösung etwas schwächer, der HD 1080i25 Modus überzeugend und vor allem auch die 720er Auflösung sehr schön. Es wird immer schnell vergessen, daß Videobearbeitung sehr aufwendig ist, wenn man nicht nur einzelne Clips veröffentlichen möchte. Außerdem kann die weit überwiegende Mehrzahl der Betrachter hochauflösende 1080i Videos gar nicht ruckelfrei abspielen. Am Fernseher vielleicht noch, aber nicht am Rechner. Daher war mir das Videoformat MP4 mit 1280×720 pixel besonders wichtig, weil ich nicht in AVCHD aufnehmen möchte. Mir zu aufwendig in der Bearbeitung – dauert mit meiner Rechnerleistung alles viel zu lange.

Ruckelfrei ist überhaupt das Stichwort! Es ist nun mal nicht zu ändern, daß die meisten Kompakten im Video-Modus keine ausreichende, manuelle Steuerung zulassen. Durch die verregneten Scheiben eines fahrenden Autos zu filmen, geht also mangels Fokuseinstellung nicht, es sei denn, man ist Regentropfenfan. Vor allem die saubere Nachführung der Schärfe durch die Automatik spielt also eine ganz wesentliche Rolle. Und ebenso die Bildstabi, der automatische Verwackelschutz, der beim Filmen das A und O darstellt. Man möchte angesichts der YouTube-Filme aufschreien: “Wer nochmal mit ‘ner hochauflösenden Cam Wackelvideos macht, kriegt ‘ne Abreibung!” In der Tat. Die Bildstabi bei der Sony HX5V ist gegenüber ihren Konkurrenten weit überzeugender, und dieses Plus ist für mich das kaufentscheidende Kriterium gewesen. Was nützt eine eventuell bessere Farb- oder Lowlightqualität, wenn der saubere Flow nur mit großem Aufwand oder gar nicht herstellbar ist? Eines der überzeugendsten Beispiele für die Videoqualität der Sony HX5V ist ebenfalls im Test von Cameralabs zu finden: Man erkennt deutlich, wie ruhig die handgeführte Kamera stabilisiert ist und wie sauber die Schärfe beim Zoomen nachgeführt wird.

Was videotechnisch mit der minimalistischen Ausrüstung der Sony HX5V herstellbar ist, überzeugt mich voll. Die Qualitätsbeurteilung mit YouTube-Filmen ist wegen der Rekodierung nicht ganz unproblematisch und sollte nicht zum Maßstab genommen werden. Kamera-Eigengeräusche machen sich nur im Winkel eines stillen Raumes bemerkbar, in der Praxis ist kein Grundrauschen zu hören.

Mein Urteil:

Die Sony DSC HX5 ist eher eine Videokamera mit brauchbarer Fotofunktion und nicht umgekehrt. Die Sweep-Panorama-Funktion ist mir sehr wichtig und bringt viel Spaß. Überhaupt ist die Kamera im besten Sinne ein feines Spielzeug. Die gut funktionierende GPS-Funktion ist angenehm und kann bestens zur Verschlagwortung genutzt werden, mir aber nicht wichtig und kostet Akkukraft.

Man muß es bei diesen kleinen, leichten Kameras erst lernen, stärkere Drehbewegungen um die Objektivachse beim Filmen zu vermeiden. Waagerecht halten mit dem Manfrotto 585 Modosteady geht leider nicht, weil das Stativgewinde am rechten Rand angebracht ist. Man kann sich aber – wie unten im Film demonstriert – noch ganz raffiniert für Geh- und Fahraufnahmen helfen und kommt bei der verläßlichen Bildstabilisation ohne großen Aufwand auf sehr gute Film-Ergebnisse.

Man muß sich also entscheiden, ob der fabelhafte Video-Modus die mangelnde Robustheit und nicht ganz wertige Haptik 300 Euros wert sind. Klar, die Sony-Techniker hätten der Cam einen besseren Foto-Modus einbauen können. Bei Freihandaufnahmen im Dämmerungsmodus – dem Twilight-Modus der HX5 – zeigt sich, daß die Sony z. Zt. nach meiner Meinung die beste Leistung aller kleinen Kompaktkameras liefert. Aber ob das schon reicht?


In diesem Jahr lassen auch anderer Mütter hübsche Töchter den Fotofreak erröten. Sony selbst bringt mit der Alpha NEX-5 im Juni 2010 eine hochinteressante Kamera auf den Markt, die allerdings mindestens doppelt so groß und teuer ist. Andere Hersteller werden zweifellos folgen.

So kann man vielleicht sagen: Die Sony DSC HX5V ist eine “Vorübergehend-Kamera”. Man weiß heute schon, daß man sie nicht jahrelang nutzen wird. Es sei denn, die Einschränkungen sind einem genau die Pluspunkte, die es ermöglichen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: einfach und mit Vergnügen zu filmen, um schnell gute Ergebnisse zu erhalten.

Einfach mal zum Vergnügen diese interessante Befestigungs-Konstruktion zu Gemüte führen. Herrlich!

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