Posts Tagged ‘fake’

Warum sind die Blätter im Herbst so bunt?

So bunte Farben

Warum bloß sind die Blätter im Herbst so bunt? Eine absurde Frage? Man kann sich doch einfach nur dran freuen. Freuen an der Farbenpracht, bevor in unserer Klimazone das lange Wintergrau einzieht.

Aber im Zeitalter von Photoshop gerät ein Fotograf nur allzu schnell in den Verdacht, zu doll an den Farbreglern gedreht zu haben. Und in der Tat: Die Farbsättigung, den Kontrast etwas zu erhöhen, machen wir alle gerne. Aber es geht mir mittlerweile gehörig gegen den Strich, wenn kaum noch ein Landschaftsbild mit halbwegs normaler Wolkenstimmung gezeigt wird. Wenn wir tatsächlich ständig unter solch dramatischen Himmeln leben müßten, würden wir wohl meschugge werden.

Read On…

Ungeschminkt schön – Natur pur oder retuschiert in Echt

Man steht immer wieder vor der Frage, “Wieviel wird am Bild verändert”? Die bekannteste Manipulation ist die seit den Anfängen der Fotografie angewandte Retusche. Angesichts des kürzlich erschienenen Spiegel-Online Artikels: Porzellanteint aus dem Studio zeige ich mal eigene Photoshop-Retusche-Beispiele.

“Schminke, Ausleuchtung und digitale Retusche vermitteln ein Aussehen, das auch ein Model nicht haben kann. Viele wissen, dass solche Bilder nicht real sind und dennoch können sich die wenigsten dem Schönheitskult entziehen. Kein Wunder, dass viele Menschen auch von ihren eigenen Fotos mehr erwarten, als es Natur, Licht und Linsenapparat normalerweise hergeben.”

Retuschierte und unretuschierte Fassung erscheinen im Wechsel beim Ziehen der Maus über das Bild.


Machen wir uns nichts vor: so eitel, so verschönt wollen wir es haben. Fassade zählt. Wer kann so schnell dahinter schauen? Wer will das immer? Erkenn ich Dein Problem, wird es auch meins, oder?

Nicht selten wird das digitale Facelift jedoch in lächerlicher Weise übertrieben. Die Abgebildete entlarvt sich selbst. Sie hat’s ja schließlich so bestellt und abgenommen. Darüber hinaus hat Schönheitsfake durchaus politische Tragweite. Schaut man sich zB die Titelbilder der “Hörzu” an, weiß man gleich, deren Leser werden sicher keine Revoluzzer. Die werden noch sehr lange brav bleiben; getreu dem Motto: nur nicht aufregen.

Wer Stockfotoagenturen beliefert, weiß ein Lied davon zu singen, welch arg geschönte Welt der Markt erwartet. Realität ist dort unverkäuflich. So wie mein Bild des Holzarbeiters an der Motorsäge schon hart an der Grenze des Lächerlichen anzusiedeln ist, so wird wohl jede Frau die Retusche am Portraitbild befürworten, “Was kann das büschen digitale Facelifting schon schaden?” Der Fotograf entscheidet sich mit jedem Klick, welche Welt er zeigen will. Ob bewußt gestaltet oder im Seelenüberschwang für schön befunden, sowohl Betrachter wie Gestalter formen ihre Wirklichkeit. Zumal das Illusionsbedürfnis mit der Krise stetig wächst.

Ganz anschaulich ist an der konventionellen Arbeit von Glenn Feron zu studieren, welch professionelle Retusche im Land des schönen Scheins verlangt wird. Für jeden Fotografen sehr lehrreich, auch in den absurden Übertreibungen.