Die drei Grazien

Wenn es sich bei diesen drei Grazien von Birken nicht unbedingt um  Göttinnen, um die drei Grazien von bezaubernder Schönheit, Charme und Freude handelt, so bin ich doch sehr geneigt, ihrer Welt mit zugewandten Sinnen und Wohlwollen zu begegnen. Die drei Grazien haben mich schon öfters zu einer Aufnahme herausgefordert und immer hat mich der Kontrast ihrer weißen Stämme zur Umgebung und dieses die Getrenntheit hervorhebende Abseitsstehen gereizt.

Nun. Heute, zum Ende der Dämmerung, kurz vor völliger Dunkelheit, kam ich wieder an diesen drei Grazien vorbei, und da ich schon vorher spielerisch mit den im wahrsten Sinne des Wortes “wunder-baren” Effekten des Blitzens auf den zweiten Verschlußvorhang experimentiert hatte, ergaben sich weitere Versuche wie von selbst. Und siehe da: Es trat der Eindruck des mysteriös Besonderen ganz spontan ein. Das war es, was mir schon so lange vorgeschwebt hatte, ich bislang jedoch nie hatte für mich befriedigend umsetzen können.

Werden die drei Grazien, diese unscheinbaren Birken, nicht tatsächlich zu geheimnisvollen Wesen?

Strahlen sie nicht plötzlich Kraft und Eigenart aus? Die Nachbarschaft zur Eiche, die sie so bedrängend umgeben, läßt die drei Birken trotz ihrer Schlankheit aggressiv erscheinen. Und so wird man ganz hin und her gerissen zwischen der Leichtigkeit ihrer Form und dem unschuldigen Weiß ihrer Stämme und dieser kämpferischen Dominanz.

Man kann sich endlos in Interpretationen und Gefühlen bei einer Bildbetrachtung ergehen. Aber wenn man sich fragt, was es ist, daß einen ein Foto einen kurzen Moment länger hat betrachten lassen, dann ist es die Gefühlsresonanz, die das Bild auszulösen in der Lage war.

Finde dein Bildgefühl.

Wenn man auf den Auslöser drückt, sollte die Suche nach diesem Bildgefühl ständig mitschwingen. Nicht die dokumentarische Abbildung zählt für mich beim Fotografieren von Alltäglichkeiten, sondern die gelungene Umsetzung einer Empfindung beim Betrachten eines Augenblicks. Und auch, wenn diese Umsetzung nur selten gelingt oder nur wenige anzusprechen vermag; es immer weiter zu versuchen, macht für mich die Freude an der Fotografie aus. Da kommen mir drei Grazien – in welcher Form auch immer – gerade recht.

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