Myrten-Aster blüht im Herbst

Als nicht Experte steht man verwundert vor der Blütenpracht der Myrthen Aster, denn sie blüht im Herbst bis in den späten Oktober. Zwangsläufig war ich bereits auf kahle Äste und fehlendes Grün eingestellt, und da standen sie auf einmal in ihrer ganzen Üppigkeit. Und es freute mich ungemein!

Die überbordenden Hymnen auf die Schönheit des Herbstes kommen mir manchmal wie das Pfeifen im dunklen Wald vor. Ich mag zwar die klare Frische eines schönen Herbsttages mit all seinen feurigen Farben, aber die Vorboten des Winters mit seinem trüben Grau sind in den langen Regentagen nicht zu übersehen.

Kein Wunder, daß so viele die Flucht ergreifen und in der dunklen Jahreszeit unsere Breiten mit sonnigem Mittelmeerklima tauschen. Auch dort kann man zur Ruhe kommen und “eine Zeit des großen Nachdenkens” pflegen. Hört sich so an, als ob im Rest des Jahres das Hirn ausgeschaltet war, wenn darüber so geschwärmt wird.

Für manche wird es sicher ein Segen sein, daß die Natur ihnen eine Zwangspause auferlegt. Daß sie sich endlich ausruhen dürfen und nicht mal Urlaubsstress abwettern müssen.

Mir hat es sich in den letzten Jahren ergeben, den Moment mehr zu schätzen. Was früher wie Spruchweisheit daherkam, hat sich unmerklich verdichtet. Und dazu hat die Beobachtung, die zwangsläufig mit der Fotografie einhergeht, viel beigetragen.

Was da blüht im Herbst, wäre mir früher nicht aufgefallen. Jetzt erfreut es mich. Jetzt empfinde ich Farben viel bewußter und die Gefühle sprechen deutlicher.  Die bunte wie die trüben. Darin, daß auch die Schwermut ihren Platz einfordert, kann Tiefe gefunden werden. Ja, es braucht Zeit, manchmal viel Zeit, Winterzeit, damit zu leben.

Aber an so manchen Herbsttagen, will ich damit nichts zu tun haben. Da reicht mehr das schlechte Wetter satt. Da will ich Farben und Licht. Punkt. Und wenn es nur die UVB-Lampe ist.

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