Frost Blätter

Der Weg zu besseren Fotos ist lang. Das ist eh klar. Was nicht so selbstverständlich ist: Wie kommt man dahin, bessere Fotos zu machen und wie hält man die Reise durch?

Bei meiner Shiatsu-Ausbildung – also der japanischen Lehre der manuellen Körpertherapie – gab es  einen Leitspruch, der mich zunächst sehr in Erstaunen versetzte. “Wenn Du Dir als blutiger Anfänger Mühe gibst mit der Behandlung Deiner Patienten, dann erreichst Du 50% von dem, was im Idealfall erreichbar ist.” Wow! Das fand ich schon mal sehr ermutigend. Aber dann kam der Nachsatz: “Und dann kannst Du mit jedem Jahr, in dem Du intensiv praktizierst um 1% besser werden, wenn Du genauso aufmerksam und anteilnehmend weitermachst wie mit dem Anfängergeist.”

Wichtig ist die Geisteshaltung und nicht nur die Technik

Wenn in Fotoforen um die neuesten “Foto-Spielzeuge” gefachsimpelt wird, dann wohl vor allem deshalb, weil es soviel einfacher und weniger prekär ist, als sich mit der kreativen und künstlerischen Seite der Fotografie auseinander zu setzen. Technik ist objektivierbar, Kunst nicht. Da tritt allzu schnell in Fettnäpfchen, wer nicht der heute üblichen Lobhudelei Folge leisten will. Und daher trifft man auf genauso wenig herausragende Fotografen wie auf wirkliche Meister auf dem Gebiet des Shiatsu. Diese 1% wollen errungen werden. Tag für Tag und Jahr für Jahr. Bessere Fotos machen braucht seine Zeit.

Auf dem Weg zu besseren Fotos

Kurz zusammengefaßt sieht der Weg zu besseren Fotos in etwa so aus:

  • Die eigene Weiterentwicklung vollzieht sich über die gemachten Fehler. Oftmals über die fehlerhafte Imitation erfolgreicher Fotografen. Auch Kopieren will gelernt sein.
  • Exponentielles Wachstum jeglicher Fähigkeit ist für den Anfänger leicht zu erreichen, aber diese rasante Entwicklung hält nicht an. [Was hatten wir es als Analog-Fotografen noch schwer! Wie lehrreich ist heute die augenblickliche Kontrollmöglichkeit der Aufnahme.]
  • Es braucht viel Zeit – Jahre – seinen eigenen kreativen Stil zu entwickeln.
  • Wie man auch immer schafft und gestaltet, die Art und Weise ändert sich über die Jahre. Die Arbeit des Jahres Eins ist anders als die des Jahres Zehn, die ist wiederum anders als die des Jahres Fünfzehn.
  • Die technische Seite der Fotografie ist der einfache Teil. Dann benötigt man den Rest seines Lebens, diese technischen Fertigkeiten kunstvoll einzusetzen.

Irgendwann läßt sich nicht mehr leugnen, wenn nur Verliebtheit in die Technik am Anfang des Weges stand. Mit Liebe zur Fotografie dagegen braucht es keine strenge Disziplin, da will man einfach immer weiter Fotos machen. Besser werden die Bilder über die Jahre, wenn diese Begeisterung für die Fotografie nie erloschen ist. Wenn der Weg zu besseren Fotos so selbstverständlich ist, daß er langfristig absichtslos begangen wird. Wenn das, was andere als Last empfinden, einem tiefe Befriedigung verschafft.

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